Wortgottesfeiern am Donnerstag

In der Konstitution des 2. Vatikanischen Konzils über die Heilige Liturgie heißt es in Nr. 35.4: „Zu fördern sind eigene Wortgottesdienste an den Vorabenden der höheren Feste, an Wochentagen im Advent oder in der Quadragesima sowie an den Sonn- und Feiertagen, besonders da, wo kein Priester zur Verfügung steht; in diesem Fall soll ein Diakon oder ein anderer Beauftragter des Bischofs die Feier leiten.“

Der lateinische Text der Konstitution benutzt für Wortgottesdienst den Begriff „sacra verbi Dei celebratio (Heilige Feier des Wortes Gottes)“. Die Konzilsväter haben ausdrücklich, trotz verschiedentlicher Kritik, auf diesem Begriff bestanden: sacra celebratio bedeutet immer Liturgie im vollen Sinne des Wortes. In den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts war die Vorstellung noch neu, dass auch unter Vorsitz eines Laien die Kirche wirklich Liturgie feiern kann. Im Festhalten an diesem Begriff wird die Intention der Konzilsväter deutlich: auch dort, wo kein Priester oder Diakon vorsteht, findet Liturgie der Kirche statt. Gleichzeitig wird verlangt, dass solche Feierformen zu fördern (foveatur) sind. Als Beispiel für einen zeitlichen Ansatz werden die Vorabende der Hochfeste, die Wochentage im Advent oder während der Hl. 40 Tage vor Ostern oder die Sonn- und Feiertage genannt, andere Tage sind dadurch nicht ausgeschlossen. Ausdrücklich geht es nicht um einen Ersatz für die Eucharistiefeier, falls kein Priester verfügbar ist, sondern um eine eigene Gottesdienstform, in der die Anwesenheit Christi im verkündeten Wort in der Mitte steht. In Gemeinden, in denen an Sonn- und Feiertagen kein Priester zur Verfügung steht, kann sie in Ausnahmefällen auch die Form der sonn-/feiertäglichen Versammlung der Gemeinde werden (hierzu ist im Jahr 1988 von der Gottesdienstkongregation das Direktorium Christi ecclesia „für sonntägliche Gemeindegottesdienste ohne Priester“ herausgegeben worden).

In der Umsetzung der Konzilsbeschlüsse in unseren Gemeinden tut sich hier seit langem schon eine Lücke auf. „Wortgottesfeiern“ (so die bessere deutsche Übersetzung des Begriffes sacra verbi Dei celebratio, die sich in der Vergangenheit eingebürgert hat, werden vielerorts ausschließlich als Messersatz bei Abwesenheit des Priesters gefeiert, während der Wunsch des Konzils ein anderer war: nicht Ersatzlösung, sondern eigene Feier der Gegenwart Christi im verkündeten Wort.

In St. Joseph haben wir bisher zwei bischöfliche Beauftragte zur Leitung solcher Feiern: Herrn Kiencke und unseren Gemeindereferenten, Herrn Köninger. Und natürlich haben wir die Hoffnung, dass sich in Zukunft noch weitere Gemeindemitglieder, Männer wie Frauen, zu diesem Dienst bereit erklären. Vor der bischöflichen Beauftragung steht eine entsprechende Ausbildung auf Ebene des Erzbistums. Informationen hierüber bekommen Sie, falls Interesse besteht, bei den genannten Gottesdienstbeauftragten und beim Pfarrer. Neben den beiden Gottesdienstbeauftragten hat sich eine beachtliche Gruppe von 10 Lektoren und Lektorinnen gefunden, die bei den Feiern das Wort Gottes verkünden und auch als Vorbeter zur Verfügung stehen. Um deutlich zu machen, dass die Wortgottesfeier kein Messersatz ist, feiern wir sie ab sofort regelmäßig jeden Donnerstag um 19 Uhr in unserer Pfarrkirche. Dass in einer solchen Feier das Wort Gottes im Mittelpunkt steht, wird auch dadurch deutlich gemacht, dass das Lektionar, aus dem verkündet wird, zu Beginn des Gottesdienstes auf einem Pult im Bereich der Gemeinde abgelegt wird. Nach der Verkündigung wird das Buch auch wieder offen an den selben Platz gebracht: Christus bleibt, in seinem verkündeten Wort, in der Gemeinde, die aufgerufen ist, in Lob, Bitte, Gebet und in der Tat auf das Gehörte zu antworten.

Herzliche Einladung zur Wortgottesfeier, jeden Donnerstag um 19 Uhr in St. Joseph.